Donnerstag, 15. Dezember 2016

Kaiserschnitt-Bonding

Ein geborgener Start ins Leben 


Endlich bist du da! Überglücklich schließt die Mutter ihr gerade geborenes Baby in die Arme und betrachtet es verliebt. Der Hautkontakt zur Mutter gibt dem Neugeborenen Geborgenheit, die vertraute Stimme und der beruhigende Herzschlag, den es auf der Brust der Mutter hört, helfen ihm die Strapazen der eben erlebten Geburt zu verarbeiten. Diese Momente des engen Hautkontaktes direkt nach der Geburt, auch ‚Bonding‘ genannt, bereiten den Weg für eine stabile und gesunde Eltern-Kind-Bindung.

Direkter Hautkontakt und eine ungestörte Atmosphäre für Eltern und Neugeborene werden nach natürlicher Geburt inzwischen in fast allen Kreißsälen gefördert. Viele Studien bestätigten die positiven Effekte des Bondings auf Mutter und Kind. Die Kinder zeigen ein besseres Trinkverhalten, eine stabilere Körpertemperatur, weniger Atemprobleme, weniger Schwankungen in ihrem Blutzuckerspiegel und noch viele weitere positive Aspekte.

Im Falle eines Kaiserschnittes kommt es jedoch in vielen Kreißsälen zur Trennung von Mutter und Kind, teilweise sogar über zwei Stunden. Dabei wissen wir, dass gerade nach einem Kaiserschnitt der ausgiebige Hautkontakt und das frühe Anlegen besonders wichtig für einen optimalen Still-Start sind.

Deswegen ist es in unserem Kreißsaal bereits lange Zeit Standard, dass Mutter und Kind während des Kaiserschnittes nach Möglichkeit nicht getrennt werden - das Neugeborene bleibt, in warme Tücher gewickelt, an der Seite der Mutter bis zum Ende des Kaiserschnittes im OP-Saal. Um die Situation für unsere Kaiserschnitt-Mütter weiter zu verbessern, haben wir nach einer Möglichkeit gesucht, das Bonding zu optimieren und auch während des Kaiserschnittes den direkten Hautkontakt zwischen Mutter und Neugeborenem zu ermöglichen. Immerhin kommt fast jedes dritte Kind mittels Kaiserschnitt zur Welt. Warum sollte diesen Kindern der für sie so wichtige Hautkontakt verwehrt werden?

Deswegen ist in unserem Kreißsaal das Kaiserschnitt-Bonding eingeführt worden. Die begeisterten Rückmeldungen der Mütter, die das Kaiserschnitt-Bonding als erste ausprobieren konnten, haben uns darin bestärkt, wie gut und wichtig dieser Weg ist. Beim Kaiserschnitt-Bonding wird das Baby direkt während des Kaiserschnittes der Mutter Haut-an-Haut auf die Brust gelegt. Das Neugeborene kann hier, gestützt durch ein schlauchförmiges Tuch (‚Bondingtop‘), den Hautkontakt zur Mutter genießen. Selbstverständlich kann auch der Vater diesen ganz besonderen Moment miterleben.

Um der Mutter und dem Neugeborenen ein Höchstmaß an positivem Bindungserlebnis zu garantieren, sind wir einen Schritt weiter als die meisten Geburtskliniken gegangen, die Kaiserschnitt-Bonding anbieten: die Untersuchung der Kinder haben wir ganz auf die Zeit nach dem Bonding verschoben. So können die Kinder direkt nach der Geburt zur Mutter. Die anwesende Hebamme vermag den Zustand der Neugeborenen auch auf der Brust der Mutter so gut einzuschätzen, dass die Kinder in einer sicheren Umgebung den Hautkontakt zur Mutter von der ersten Sekunde an genießen können. Die Sicherheit von Mutter und Kind hat bei uns immer oberste Priorität, so dass das Bonding bei Unwohlsein der Mutter
oder Auffälligkeiten des Kindes jederzeit unterbrochen werden kann. Sollte das Bonding während des Kaiserschnittes einmal nicht möglich sein, wird der ausgiebige Hautkontakt selbstverständlich unmittelbar nach dem Kaiserschnitt nachgeholt.

Mütter und ihre Neugeborenen profitieren umfassend vom  ausgiebigen Bonding direkt nach der Geburt und auch in den ersten Tagen nach der Geburt - die Babys schreien weniger, haben weniger Trinkprobleme, schlafen ruhiger, erreichen zügiger ihr Geburtsgewicht und leiden weniger häufig an Neugeborenengelbsucht, während die Mütter schneller lernen die
Signale ihres Babys zu verstehen. Aus diesem Grund haben die Mütter in unserer Abteilung seit langer Zeit die Möglichkeit ihr Neugeborenes 24 Stunden in einem Beistellbettchen bei sich zu behalten, das sogenannte „rooming in“.
l